Dwijen Rangnekar Obituary

The DFG Research Unit 772 on Cultural Property remembers

Dwijen Rangnekar

(April 17, 1965 – 30 October, 2015)

IMG_5952 In 2010, our Research Group on Cultural Property held a working conference in Hofgeismar, Germany, to prepare the grant for a second three years of research. We had been well advised to invite Dwijen Rangnekar, as we wanted to enlarge our scope and include geographic indications as a further area of emphasis. As I we all came to understand during those days, the Indian local liquor “Feni” was maybe just one, but for him the best example to show the possible merits of geographical indications. Up to this point, the small unit of economists in our interdisciplinary group, had worked on sui generis rights for folklore as well as other intellectual property rights but had not yet focused on geographical indications. Dwijen characterized GI as a possibility to conserve cultural knowledge about food production by granting a regionalized monopoly on producing and labeling specific specialities. We quickly agreed on the many specific faults of the existing GI regime in Europe, but he made a strong case for GIs on an abstract level. While he was open for reforming the system, he was adamant that GIs in itself are a wonderful opportunity to make use of cultural property and bring economic development to regions which are at a disadvantage.

The research group consisted of anthropologists, ethnologists, legal scholars and economists, including agricultural economists. We were (and remain) everything but a consensually driven group, as the number of perspectives on a given problem were rarely smaller than the number of people attending a meeting. Normative positions clashed, methodological issues arose, and frequently academic standards were debated as fiercely as the empirical results from the field. Dwijen listened patiently, asked questions to understand positions and calmed everybody down by telling one or another anecdote or also a joke. During these discussions, Dwijen was a fellow anthropologist to the anthropologists, a fellow economist to the economists and, of course, above all, he was always the legal scholar, fearless of the normative discussion and eager to bring about a better legal system for the people. His ability to think and discuss along the lines of other disciplines was probably what impressed us the most, and in the years to follow, Dwijen constituted the “best guest” you could have in an interdisciplinary endeavor such as our research group on cultural property

We are grateful to have met Dwijen Rangnekar. He inspired us to do more research on geographical indications. He warmed our hearts, and he enlightened our minds. And he described Feni in such colorful and emotional terms that it seemed as if he had also warmed our bellies with it.

Kilian Bizer and the entire cultural property research team

Further obituaries may be found at LASSnet (http://lassnet.blogspot.de/2015/10/dr-dwijen-rangnekar-is-no-more.html) and The Wire (http://thewire.in/2015/11/02/a-scholar-who-made-ipr-relevant-for-local-communities-too-14608/)

Fortsetzung der Vortragsreihe “Kultur als Eigentum?” im Wintersemester 2013/14

Die 2-semestrige Vortragsreihe der interdisziplinären DFG-Forschergruppe 772 „Die Konstituierung von Cultural Property“ wird ab dem 31.10.2013 fortgesetzt.

Wintersemester 2013–14; Ort: Hörsaal PH12, Archäologisches Institut, Nikolausberger Weg 15; Zeit: 18:15 Uhr bis 19:45 Uhr

In den letzten Jahrzehnten wächst das Interesse, Kultur dem Markt zuzuführen oder dies zu verhindern. Herausgehoben aus dem unreflektierten Fluss des Alltagslebens, wird Kultur etwa in der Form von Kulturerbe, traditionellem Wissen oder traditionellen Ausdrucksformen zum Fokus der Identitätsstiftung, zum umstrittenen Gegenstand ebenso wie zu einer potentiellen Einkommensquelle. Seit 2008 untersucht ein interdisziplinäres Forscherteam diese Prozesse der In-Wertsetzung. Die 2-semestrige Vortragsreihe bietet einen Einblick in die vielen unterschiedlichen Arenen von lokaler bis globaler Dimension, in welchen sich die Frage nach Kultur als Eigentum stellt.

Bitte beachten Sie, dass sich die Räumlichkeit zum Wintersemester ändert. Der neue Veranstaltungsort ist im Archaäologischen Institut, Hörsaal PH12 (Erdgeschoss), Nikolausberger Weg 15.

Übersicht der Vorträge:

Do, 31. Oktober
Umstrittene Sammlungen. Kulturelles Erbe und Kunsthandel im Widerstreit?
Anne Splettstößer, MA, Institut für Ethnologie und Alper Tasdelen, MA, Institut für Völkerrecht, Universität Göttingen

Nicht nur in Hollywoodfilmen begegnen uns spektakuläre Fälle von Kunstdiebstahl und illegalem Kunsthandel, immer wieder finden sich entsprechende Berichte auch in unseren Tageszeitungen. Nach wie vor gehören Raubgrabungen und Diebstähle von Kulturgütern somit zur Realität. Die so erlangten Kulturgüter finden häufig über ein Netzwerk von Mittelsmännern und Händlern ihren Weg in Sammlungen in allen Teilen der Welt. Im Rahmen des Vortrags soll ein umstrittener Fall auf dem Hintergrund der bestehenden internationalen und nationalen Kultugüterschutzregelungen aus ethnologisch-juristischer Perspektive beleuchtet werden.


Do, 14. November
Ethnicity Inc. Revisited
Prof. Dr. John Comaroff, Department of African and American Studies, Harvard University, Cambridge, USA

Published in 2009, “Ethnicity, Inc.” (co-authored by John and Jean Comaroff) explored the changing relationship between culture and the market. With examples ranging from venture capitalism by a group of traditional African chiefs to Native American casinos, San ‘Bushmen’ with patent rights and nations branding themselves, the book brought together anthropological and legal scholarship to shed light on the question “whither ethnicity?” In his Göttingen lecture, John Comaroff will recap and reconsider these phenomena to trace the contradictory effects of neoliberalism as it transforms identities and social being across the globe.


Do, 21. November
Doing UNESCO-Landscapes. Aushandlung und In-Wertsetzung der Kulturlandschaften Erzgebirge und Mapungubwe
Caren Bergs, MA und Arnika Peselmann, MA, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Göttingen

In der 1972 von der UNESCO verabschiedeten Welterbekonvention wird der Schutz von Natur- und Kulturstätten zur Weitergabe an zukünftige Generationen angemahnt. Dabei ist die Ernennung etwa einer Landschaft als „Erbe der ganzen Menschheit“ Resultat lokaler, nationaler und internationaler Selektierungs- und Stilisierungsmuster von Kultur und eröffnet Möglichkeiten sowohl der ideellen als auch ökonomischen Nutzbarmachung. Diesen Prozess und die Konflikte, die sich daraus entwickeln können, verfolgt der Vortrag in zwei Feldstudien, in denen Bergbau zum einen den „universellen Wert“ der Landschaft ausmacht und zum anderen gerade jenen bedroht.


Do, 28. November
Identität und Beiträge zum Common Pool
Prof. Dr. Kilian Bizer und Matthias Lankau, MA, Professur für Wirtschaftsrecht und Mittelstandsforschung, Universität Göttingen

Viele Kulturgüter haben die Eigenschaften eines öffentlichen Gutes: Wer sie konsumiert verhindert damit nicht, dass andere zwangsläufig nicht konsumieren können und die Möglichkeiten sind eingeschränkt, Dritte vom Konsum auszuschließen. Derartige Güter müssen in vielen Fällen durch den Staat bereitgestellt werden – aber auch das bringt bei Kultur eine Reihe von Problemen mit sich. Sie können aber auch in Gruppen bereitgestellt werden, wenn in diesen bestimmte Bedingungen herrschen. Der Beitrag untersucht soziale Identität als Bedingung für Beiträge zur Common-Pool-Ressource und isoliert den Effekt, der von im Labor induzierter Identität ausgeht. Tatsächlich zeigt sich, dass es auch unter Laborbedingungen zu einem höheren Beitrag innerhalb der Gruppe kommt als mit gruppenexternen Mitgliedern.


Do 5. Dezember
Kultur als besonderes Erbe? Indigene Gruppen zwischen Marginalisierung und Empowerment in Indonesien
Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin und Serena Müller, MA, Institut für Ethnologie, Universität Göttingen

Weltweit wurden indigene Gruppen, die meistens Minoritäten darstellen, marginalisiert. Durch Initiativen der internationalen Gemeinschaft (vor allem der UN und der UNESCO) haben diese Gruppen, die oft auch als Nachkommen archaischer Gemeinschaften gesehen werden, eine internationale Wertschätzung und vielseitige Förderungen ideologischer, aber v.a. auch ökonomischer Art erhalten. Heute treten viele solche Gruppen selbstbewusst auf und fordern vom Staat ihre Rechte ein. Am Beispiel Indonesiens haben wir untersucht, welche neuen Möglichkeiten sich durch die internationalen Vereinbarungen ergeben, wie indigene Gruppen diese nutzen und wie sich dies auf ihre heutige Situation auswirkt.


Do, 9. Januar
Goldenes Zeitalter Angkor: kulturelles Erbe und nationale Einheit in Kambodscha
Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin und Aditya Eggert, MA, Institut für Ethnologie, Universität Göttingen

Die Kultur der alten Khmer, symbolisiert durch die Tempelanlage von Angkor Wat, bildete für Kambodscha nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer den Ausgangspunkt für die Ausgestaltung einer gesellschaftlichen Neuorientierung. Der Rückgriff auf die architektonischen und künstlerischen Meisterleistungen der alten Khmer stellt auch einen zentralen Faktor in der Außendarstellung des Königreichs dar, zu dessen Haupteinnahmequellen der Tourismus zählt. Die Auszeichnungen „Weltkulturerbe“ und „Immaterielles Kulturerbe“ durch die UNESCO haben zum internationalen Renommee Kambodschas beigetragen.


Do, 23. Januar
Welche Rolle spielt Gerechtigkeit in Diskussionen um kulturelles Eigentum?
Dr. Stefan Groth, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Universität Göttingen

Ob Rückführung von Kulturgütern, geistiges Eigentum an kulturellen Ausdrucksformen oder ökonomische Konflikte im Kontext von Kulturerbestätten – normative Aspekte sind ein wichtiger Bestandteil von Diskussionen um kulturelles Eigentum. Welche Rolle spielen unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit in Verhandlungen auf nationaler und internationaler Ebene, und welchen Einfluss haben sie auf den Umgang mit kulturellem Eigentum?


Do, 6. Februar
Eigentum und Erbe, Kultur und Wert
Prof. Dr. Regina Bendix, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie

Es gibt viele Formen, Ausschnitte von Kultur als Eigentum wahrzunehmen und daraus sozialen, politischen und ökonomischen Gewinn zu ziehen. Zwei Fragen ziehen sich durch die verschiedenen Bereiche hindurch: Wer kann in welcher Weise Eigentumsrechte an Kultur geltend machen? Wie wird der Wert von „Kultur“ festgelegt und welche erkennbaren und latenten Dynamiken spielen in diesem Prozess eine Rolle?

Neue Publikation: Kultur_Kultur

Kurzmitteilung

Neue Publikation:

Im Waxmann-Verlag ist mit „Kultur_Kultur. Denken. Forschen. Darstellen“ der Tagungsband des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Tübingen 2011 mit Beiträgen von Mitgliedern der Forschergruppe zu Cultural Property erschienen.

Die im Rahmen des Panels „Kulturelles Eigentum: Perspektiven auf ein interdisziplinäres Forschungsfeld“ gehaltenen und nun publizierten Vorträge sind:

  • Regina F. Bendix: Zur Konstituierung eines Forschungsfeldes. Cultural Property beleuchtet aus interdisziplinärer Perspektive
  • Stefan Groth: Allmendgemeinschaften und Cultural Commons in der Diskussion um kulturelles Eigentum
  • Philipp Socha: Spielräume im Völkerrecht. Regional differierende Interpretationen der ,Berechtigten‘ in den draft articles des WIPO IGC
  • Johannes Müske: Technik, die kulturelle Aneignung der Klangwelt und die Grenzen von Cultural Property
  • Arnika Peselmann: Das Erzgebirge als montane Kulturlandschaft. Konstituierungs- und In-Wertsetzungsprozesse eines potentiellen UNESCO-Weltkulturerbes

Reinhard Johler, Christian Marchetti, Bernhard Tschofen, Carmen Weith (Hrsg.): Kultur_Kultur. Denken. Forschen. Darstellen. 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Tübingen vom 21. bis 24. September 2011, 628 Seiten, broschiert, 34,90 €, ISBN 978-3-8309-2847-8

Kultur ist nicht nur seit nunmehr vier Jahrzehnten die zentrale Kategorie der Volkskunde und ihrer disziplinären Fortentwicklungen in Deutschland und darüber hinaus, Kultur ist – ungeachtet aller Problematik – auch eine der wirkmächtigsten Ordnungsvorstellungen der Moderne. Als Konzept der Selbstauslegung hat Kultur zu keiner Zeit eine ähnliche Reichweite und Anziehungskraft besessen wie heute, zugleich beschreibt sie ein Feld wachsender Ökonomien, ist weltweit Gegenstand politischen Handelns und nicht zuletzt Schlüsselbegriff und Fluchtpunkt einer Reihe von sich zusehends als Kulturwissenschaften verstehenden Fächern. Seit dem von Tübingen ausgehenden „Abschied vom Volksleben“ nimmt der um die alltägliche und lebensweltliche Dimension erweiterte Kulturbegriff eine zentrale Stellung im disziplinären Selbstverständnis des Faches ein. Die Wendung hin zu einer mehr prozessualen und relationalen Vorstellung von Kultur, wie sie in den letzten Jahren verstärkt vollzogen wurde, betrifft daher den Kern volkskundlicher Kulturwissenschaft. Vor diesem Hintergrund bildet die momentan zu beobachtende Konjunktur – bei gleichzeitiger Krise des Kulturkonzepts – eine besondere Herausforderung für das Fach.

Der 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die kulturale Wende im Fach einer umsichtigen Evaluierung zu unterziehen und dabei zu fragen, wie sich eine Kulturwissenschaft zu rüsten hat, die für sich sowohl eine selbstkritische Zuständigkeit reklamiert, die aber gleichzeitig auch auf die veränderten Bedingungen für ein Verstehen der kulturalen Dimension der sozialen Welt zu reagieren hat.

Der Band kann auf den Seiten des Waxmann-Verlages bestellt werden.

Vortragsreihe 2013/2014: Kultur als Eigentum?

Eine 2-semestrige Vortragsreihe der interdisziplinären DFG-Forschergruppe 772 „Die Konstituierung von Cultural Property“.

Sommersemester 2013/Wintersemester 2013–14; Ort: ZHG 003; Zeit: 18:15 Uhr bis 19:45 Uhr

In den letzten Jahrzehnten wächst das Interesse, Kultur dem Markt zuzuführen oder dies zu verhindern. Herausgehoben aus dem unreflektierten Fluss des Alltagslebens, wird Kultur etwa in der Form von Kulturerbe, traditionellem Wissen oder traditionellen Ausdrucksformen zum Fokus der Identitätsstiftung, zum umstrittenen Gegenstand ebenso wie zu einer potentiellen Einkommensquelle. Seit 2008 untersucht ein interdisziplinäres Forscherteam diese Prozesse der In-Wertsetzung. Die 2-semestrige Vortragsreihe bietet einen Einblick in die vielen unterschiedlichen Arenen von lokaler bis globaler Dimension, in welchen sich die Frage nach Kultur als Eigentum stellt.

Das Programm zur Vortragsreihe kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Übersicht der Vorträge:

Sommersemester 2013

Do, 18. April
Einführung: Was ist kulturelles Eigentum, wer hat daran Interesse und wie kann man es erforschen?
Gemeinsamer Vortrag von Mitgliedern der DFG Forschergruppe 772

Wem gehört Kulturerbe? Wer darf das traditionelle Wissen einer indigenen Gruppe nutzen und weiter entwickeln? Welchen Gewinn verspricht man sich aus dem Schutz traditioneller Herstellungsmethoden von Lebensmitteln? Wie und von wem werden Rechte verhandelt und implementiert? Wer setzt sich über solche Rechte hinweg? Der Vortrag führt ein in die Forschungsfelder und Fragestellungen ebenso wie in die fachlichen Perspektiven, die hier miteinander arbeiten.


Do, 2. Mai
Vom geistigen zum kulturellen Eigentum? Die Problematik von Verfügungsrechten zum Schutz von immaterieller Kultur
Prof. Dr. Gerald Spindler, Lehrstuhl Handels- und Wirtschaftsrecht und Kilian Bizer, Professur für Wirtschaftspolitik, Universität Göttingen

Das Kulturerbe lässt sich mit den klassischen Kategorien des Immaterialgüterrechts nur schwer erfassen; sowohl ökonomische als auch juristische Probleme stehen einer einfachen Übertragung herkömmlicher Muster entgegen. Der Vortrag unternimmt es, Perspektiven, aber auch offene Probleme eines immaterialgüterrechtlichen Schutzes zu beleuchten und diskutiert die Folgen möglicher Ausgestaltungen.


Do, 23. Mai
Zum Umgang von Landwirten und lokaler Bevölkerung mit der kulturellen Zertifizierung von Lebensmitteln. Eine Studie aus Brasilien.
Prof. Dr. Andréa Cristina Dörr, Santa Maria, Brasilien

Mit fast 206 Millionen Einwohner und über 200 indigenen Volksgruppen sind regionale und indigene Spezialitäten keine Mangelwaren in Brasilien, dessen Regierung sich seit kurzem intensiv mit der Zertifizierung von Spezialitäten und Agrarprodukten beschäftigt. “Geographische Indikationen” sollen vor Imitationen schützen – doch ist dieses in der EU entwickelte Verfahren für ein so vielfältiges Land geeignet? Ergebnisse aus der Feldforschung in verschiedenen ländlichen Orten Brasiliens zeigt Stärken und Schwächen dieses Schutzinstrumentes auf.


Do, 30. Mai
David gegen Goliath: (Ernährungs-)Kultur als Differenzierungsstrategie im Wettbewerb der Lebensmittelindustrie
Prof. Dr. Achim Spiller und Katia Sidali, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung, Universität Göttingen

Regionale Spezialitäten erwachsen aus tradiertem kulturellem Wissen. Sie werden meist in kleinen und kleinsten Betrieben hergestellt. Wie können solche Spezialitäten im globalen Nahrungsmittelmarkt bestehen? Der Vortrag stellt die Praktiken von Herstellern aus zwei Regionen vor und zeigt, wo sie ansetzen, um mit ihrem kulturellen Gut eine lukrative Nische zu besetzen.


Do, 13. Juni
Aboriginal Exceptionalism and its Repercussions on Questions of Property.
Prof. Dr. Francesca Merlan, School of Archeology and Anthropology, Australian National University, Canberra, Australia

Indigenous people are widely felt to remain outside desirable social norms in their relationship to property by the Australian state. The paper will draw from three arenas illustrating this realm of tension: The legal denial to recognize indigenous connections to land as involving property relations; the common interpretation of indigenous ways of handling of personal and moveable items as demonstrating an inability to maintain property; and the enabling of home rental and ownership for indigenous people as the government regards fixed residence and proprietary relationship as a remedy for some of the perceived social defects of indigenous people.


Do, 27. Juni
Kultur und Recht-Fertigung
Prof. Dr. Peter Tobias Stoll und Dr. Sven Mißling, Institut für Völkerrecht, Universität Göttingen

UNESCO Welterbe, Rückforderung von kulturellen Objekten, Ansprüche von indigenen Völkern an Folklore und traditionellen kulturellen Ausdrucksformen, geographische Herkunft von Lebensmitteln und Spezialitäten – wer Kultur beansprucht, sagt damit auch etwas über sich selbst und sein Recht. Ein juristischer Blick auf die vielfältigen Formen, mit denen verschiedenste Akteure “cultural property” beanspruchen und damit um Anerkennung und Einfluss ringen.


Do, 11. Juli
Was den Käse zum Kulturgut macht: Europäische Herkunftsangaben und der Mehrwert des Regionalen
Prof. Dr. Bernhard Tschofen und Sarah May, MA, Institut für empirische Kulturwissenschaft, Universität Tübingen

Kulinarische Spezialitäten werden in enge Verbindung mit den Besonderheiten von Regionen gebracht. Der Europäische Herkunftsschutz baut auf diese Zuordnung: er versieht regionale Spezialitäten mit geografischen Herkunftsangaben und schützt damit kulinarische Praktiken und Produkte vor Nachahmung. So wird z.B. Käse zum besonderen Kulturgut und in den Status eines kulinarischen Erbes erhoben. Wie profitieren die so ausgezeichneten Spezialitäten vom Mehrwert des Regionalen? Und wie prägen die EU-Spezialitäten das Bild der Region?


Wintersemester 2014

Do, 31. Oktober
Umstrittene Sammlungen. Kulturelles Erbe und Kunsthandel im Widerstreit?
Anne Splettstößer, MA, Institut für Ethnologie und Alper Tasdelen, MA, Institut für Völkerrecht, Universität Göttingen

Nicht nur in Hollywoodfilmen begegnen uns spektakuläre Fälle von Kunstdiebstahl und illegalem Kunsthandel, immer wieder finden sich entsprechende Berichte auch in unseren Tageszeitungen. Nach wie vor gehören Raubgrabungen und Diebstähle von Kulturgütern somit zur Realität. Die so erlangten Kulturgüter finden häufig über ein Netzwerk von Mittelsmännern und Händlern ihren Weg in Sammlungen in allen Teilen der Welt. Im Rahmen des Vortrags soll ein umstrittener Fall auf dem Hintergrund der bestehenden internationalen und nationalen Kultugüterschutzregelungen aus ethnologisch-juristischer Perspektive beleuchtet werden.


Do, 14. November
Ethnicity Inc. Revisited
Prof. Dr. John Comaroff, Department of African and American Studies, Harvard University, Cambridge, USA

Published in 2009, “Ethnicity, Inc.” (co-authored by John and Jean Comaroff) explored the changing relationship between culture and the market. With examples ranging from venture capitalism by a group of traditional African chiefs to Native American casinos, San ‘Bushmen’ with patent rights and nations branding themselves, the book brought together anthropological and legal scholarship to shed light on the question “whither ethnicity?” In his Göttingen lecture, John Comaroff will recap and reconsider these phenomena to trace the contradictory effects of neoliberalism as it transforms identities and social being across the globe.


Do, 21. November
Doing UNESCO-Landscapes. Aushandlung und In-Wertsetzung der Kulturlandschaften Erzgebirge und Mapungubwe
Caren Bergs, MA und Arnika Peselmann, MA, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Göttingen

In der 1972 von der UNESCO verabschiedeten Welterbekonvention wird der Schutz von Natur- und Kulturstätten zur Weitergabe an zukünftige Generationen angemahnt. Dabei ist die Ernennung etwa einer Landschaft als „Erbe der ganzen Menschheit“ Resultat lokaler, nationaler und internationaler Selektierungs- und Stilisierungsmuster von Kultur und eröffnet Möglichkeiten sowohl der ideellen als auch ökonomischen Nutzbarmachung. Diesen Prozess und die Konflikte, die sich daraus entwickeln können, verfolgt der Vortrag in zwei Feldstudien, in denen Bergbau zum einen den „universellen Wert“ der Landschaft ausmacht und zum anderen gerade jenen bedroht.


Do, 28. November
Identität und Beiträge zum Common Pool
Prof. Dr. Kilian Bizer und Matthias Lankau, MA, Professur für Wirtschaftsrecht und Mittelstandsforschung, Universität Göttingen

Viele Kulturgüter haben die Eigenschaften eines öffentlichen Gutes: Wer sie konsumiert verhindert damit nicht, dass andere zwangsläufig nicht konsumieren können und die Möglichkeiten sind eingeschränkt, Dritte vom Konsum auszuschließen. Derartige Güter müssen in vielen Fällen durch den Staat bereitgestellt werden – aber auch das bringt bei Kultur eine Reihe von Problemen mit sich. Sie können aber auch in Gruppen bereitgestellt werden, wenn in diesen bestimmte Bedingungen herrschen. Der Beitrag untersucht soziale Identität als Bedingung für Beiträge zur Common-Pool-Ressource und isoliert den Effekt, der von im Labor induzierter Identität ausgeht. Tatsächlich zeigt sich, dass es auch unter Laborbedingungen zu einem höheren Beitrag innerhalb der Gruppe kommt als mit gruppenexternen Mitgliedern.


Do 5. Dezember
Kultur als besonderes Erbe? Indigene Gruppen zwischen Marginalisierung und Empowerment in Indonesien
Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin und Serena Müller, MA, Institut für Ethnologie, Universität Göttingen

Weltweit wurden indigene Gruppen, die meistens Minoritäten darstellen, marginalisiert. Durch Initiativen der internationalen Gemeinschaft (vor allem der UN und der UNESCO) haben diese Gruppen, die oft auch als Nachkommen archaischer Gemeinschaften gesehen werden, eine internationale Wertschätzung und vielseitige Förderungen ideologischer, aber v.a. auch ökonomischer Art erhalten. Heute treten viele solche Gruppen selbstbewusst auf und fordern vom Staat ihre Rechte ein. Am Beispiel Indonesiens haben wir untersucht, welche neuen Möglichkeiten sich durch die internationalen Vereinbarungen ergeben, wie indigene Gruppen diese nutzen und wie sich dies auf ihre heutige Situation auswirkt.


Do, 9. Januar
Goldenes Zeitalter Angkor: kulturelles Erbe und nationale Einheit in Kambodscha
Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin und Aditya Eggert, MA, Institut für Ethnologie, Universität Göttingen

Die Kultur der alten Khmer, symbolisiert durch die Tempelanlage von Angkor Wat, bildete für Kambodscha nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer den Ausgangspunkt für die Ausgestaltung einer gesellschaftlichen Neuorientierung. Der Rückgriff auf die architektonischen und künstlerischen Meisterleistungen der alten Khmer stellt auch einen zentralen Faktor in der Außendarstellung des Königreichs dar, zu dessen Haupteinnahmequellen der Tourismus zählt. Die Auszeichnungen „Weltkulturerbe“ und „Immaterielles Kulturerbe“ durch die UNESCO haben zum internationalen Renommee Kambodschas beigetragen.


Do, 23. Januar
Welche Rolle spielt Gerechtigkeit in Diskussionen um kulturelles Eigentum?
Dr. Stefan Groth, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Universität Göttingen

Ob Rückführung von Kulturgütern, geistiges Eigentum an kulturellen Ausdrucksformen oder ökonomische Konflikte im Kontext von Kulturerbestätten – normative Aspekte sind ein wichtiger Bestandteil von Diskussionen um kulturelles Eigentum. Welche Rolle spielen unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit in Verhandlungen auf nationaler und internationaler Ebene, und welchen Einfluss haben sie auf den Umgang mit kulturellem Eigentum?


Do, 6. Februar
Eigentum und Erbe, Kultur und Wert
Prof. Dr. Regina Bendix, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie

Es gibt viele Formen, Ausschnitte von Kultur als Eigentum wahrzunehmen und daraus sozialen, politischen und ökonomischen Gewinn zu ziehen. Zwei Fragen ziehen sich durch die verschiedenen Bereiche hindurch: Wer kann in welcher Weise Eigentumsrechte an Kultur geltend machen? Wie wird der Wert von „Kultur“ festgelegt und welche erkennbaren und latenten Dynamiken spielen in diesem Prozess eine Rolle?

Stadtradio Göttingen über die Forschergruppe zu Cultural Property

Wie bereits berichtet sendete das Stadtradio Göttingen einen Beitrag über die DFG-Forschergruppe zu Cultural Property, in dem Regina Bendix über die Projekte berichtet:

[audio:http://www.cultural-property.org/wp-content/uploads/2011/04/universitat-und-forschung-forschungsprojekt-kulturtelles-eigentum.mp3]

NDR Menschen und Schlagzeilen: Weltkulturerbe – ein Nachteil?

Der angekündigte NDR-Beitrag zur Diskussion um die Nominierung des „Alten Landes“ als UNESCO Weltkulturerbe im Rahmen der Sendung „Menschen und Schlagzeilen” ist mittlerweile online auf den Seiten des NDR abrufbar. Prof. Dr. Regina Bendix, Sprecherin der DFG-Forschergruppe zu Cultural Property, kommentiert darin die Debatte aus kulturanthropologischer Sicht.

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„Sollen im Alten Land die einmalige Kulturlandschaft erhalten werden und Touristen anziehen? Oder sind die wirtschaftlichen Interessen der Apfelbauern wichtiger?“ (Quelle: NDR)

Presseinformation: Weitere DFG-Förderung für Göttinger Forschergruppe „Kulturelles Eigentum“

Wissenschaftler untersuchen die Verwandlung von Kultur in ökonomische Güter
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3834

(pug) Die Göttinger Forschergruppe „Die Konstituierung von Cultural Property“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für weitere drei Jahre mit insgesamt mehr als zwei Millionen Euro gefördert. Die Wissenschaftler der Universität Göttingen untersuchen den Begriff des kulturellen Eigentums aus verschiedenen Blickwinkeln: Kann jemand Eigentumsrechte an Traditionen oder an traditionellen Ausdrucksformen besitzen? Wer darf religiöse Zeichen nutzen und vermarkten? Wer besitzt die Rechte, Kulturerbe-Stätten zu bewirtschaften? Diese und viele weitere Fragestellungen rund um cultural property untersucht eine interdisziplinäre Gruppe von Forscherinnen und Forschern der Kultur-, Sozial-, Rechts-, Agrar- und Wirtschaftswissenschaften unter der Leitung von Prof. Dr. Regina Bendix vom Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie.

Anhand ethnographischer Studien in Europa und Südostasien erforschen die Wissenschaftler verschiedene Prozesse der Inbesitznahme kultureller Güter und Ausdrucksformen. Parallel dazu untersucht die Gruppe vorhandene Rechtsinstrumente und arbeitet an Gesetzentwürfen, die die Nutzung und Vermarktung von kulturellem Eigentum regeln. „Neben wirtschaftlichen Interessen ist cultural property auch deshalb besonders brisant, weil ihm gleichzeitig eine identitätsstiftende Wirkung zugesprochen wird. Menschen – auch gerade in marginalen Gruppen – werden sich dieses Phänomens bewusst und nutzen es, um sich neu zu positionieren“, erläutert Prof. Bendix. In der zweiten Förderperiode widmen sich die Wissenschaftler zusätzlichen Themen wie zum Beispiel dem Bereich der geographischen Indikationen, über die kulturelle Eigentumsansprüche für regionale Nahrungsmittel und Rezepturen verwirklicht werden. Ein weiteres Forschungsgebiet ist die oft heftig umstrittene Rückführung kultureller Güter aus musealen Sammlungen in die Herkunftsländer und -kulturen. In zwei übergreifenden Teilprojekten befassen sich die Wissenschaftler zum Einen mit einer Gesamtschau des mit Kultur befassten Völkerrechts, zum Anderen wird besonderes Augenmerk auf die Frage von moralischen Einstellungen gerichtet, die die Aushandlungen von Cultural Property-Rechten prägen.

Vom 15. bis 17. Juni 2011 stellen die Wissenschaftler auf einer Tagung mit dem Titel „The Constitution of Cultural Property: Interim Conclusions“ in Göttingen ihre bisherigen Forschungsergebnisse vor. Weitere Informationen sind im Internet unter www.uni-goettingen.de/de/86656.html zu finden.

In einem Sammelband haben die Forscher zudem erste Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlicht. Der Band kann über den Universitätsverlag Göttingen bestellt oder unter www.uni-goettingen.de/de/193836.html kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Regina Bendix
Georg-August-Universität Göttingen
Philosophische Fakultät – Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie
Friedländer Weg 2, 37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-5351, Fax (0551) 39-22232
E-Mail: rbendix@gwdg.de
Internet: http://www.kaee.uni-goettingen.de

Die Forschergruppe zu Cultural Property in den Medien

Dienstag, 19.04.2011, zwischen 07:30 und 07:50 Uhr
Stadtradio Göttingen 107,1: Vorstellung der Interdisziplinären Forschergruppe zu Cultural Property.

Mittwoch, 20.04.2011, 19:00 Uhr
NDR Fernsehen im Rahmen der Sendung „Menschen und Schlagzeilen“: Kulturanthropologische Stellungnahme zur geplanten Beantragung zur UNESCO Kulturlandschaft „Altes Land“.