Kulturelles Erbe zwischen Souveränität indigener Gruppen, Staat und internationalen Organisationen am Beispiel Indonesiens

Projektleiterin: Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin (Social and Cultural Anthropology)
Mitarbeiter/innen: Dr. Fadjar Thufail, Serena Müller, Miriam Harjati Sanmukri (Social and Cultural Anthropology)

Project Abstract

Während der ersten Projektphase (Projekte „Transkulturelle Autorenschaft, Copyright und Film am Beispiel der Totenfeste der Toraja, Sulawesi, Indonesien“ und „Prozesse der Konstituierung eines „Weltkulturerbes“ und dessen Bedeutung am Beispiel Angkors (Kambodscha)“) wurde deutlich, dass kulturelles Eigentum bzw. kulturelles Erbe von lokalen Gruppen im Kontext der UNESCO-Nominierungen vor allem durch staatlichen Behörden und ihren Experten (fremd-)bestimmt und interpretiert wird. Eine Rückkoppelung mit der lokalen Ebene erfolgt kaum. Jedoch finden heute parallel dazu anders gelagerte Diskussionen um die Bewahrung bzw. Revitalisierung von ‚Kultur’ in Indonesien statt. Diese orientieren sich an internationalen Vereinbarungen, vor allem aber an der United Nations Declaration On The Rights of Indigenous Peoples von 2007, die zu einer Ermächtigung von „indigenen Gruppen“ geführt hat. 2240 adat-Gemeinschaften in ganz Indonesien haben sich inzwischen zu der NGO Aliansi masyarakat adat Nusantara (AMAN, Allianz der adat-Gemeinschaften Indonesiens) zusammen geschlossen, die abgekoppelt von staatlichen Strukturen operiert, Gelder von internationalen Organisationen einwirbt und sich mit transnationalen Indigenitätsbewegungen vernetzt. Die Tatsache, als „indigene Gruppe“ mit einer ganz spezifischen kulturellen Ausstattung („kulturellem Erbe“) versehen zu sein, vermittelt ihnen eine völlig neue Handlungsfähigkeit. Den Forschungsgegenstand des neuen Projekts bilden diese neue Handlungsfähigkeiten von indigenen Gruppen bzw. den Bevölkerungsgruppen, die sich selbst diesen Status zuschreiben und sich in AMAN zusammen geschlossen haben, ihre Beziehungen untereinander, zu internationalen Organisationen und NGOs sowie zum indonesischen Staat.

Vorträge und Diskussionsbeiträge
  • Brigitta Hauser-Schäublin, Adat and Indigeneity in Indonesia: Culture and Entitlements between Heteronomy and Self-Ascription, Göttingen Studies in Cultural Property – Volume 7. 2013.
  • Brigitta Hauser-Schäublin und Christoph Brumann, Halle/Saale: Panel zu “Die UNESCO und ihre Rolle in der globalen Kulturpolitik”, Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde, Wien, 14.-17.09.-2011