Policy Paper: Verbundförderung für interdisziplinäre Gesellschafts- und Kulturwissenschaften: Eine Kritik

Regina Bendix/Kilian Bizer

Interdisziplinarität ist nicht nur ein Etikett, das die zeitgenössische Universität, geprägt durch Exzellenzinitiative, W-Besoldung, leistungsorientierte Mittelvergabe und vielem mehr, nutzt, um sich auszuzeichnen als besonders fortschrittlich, weltoffen und -zugewandt. Interdisziplinär angelegte Forschung ist auch eine Herangehensweise an die komplexen Herausforderungen einer heterogenen, globalisierten Welt, und tritt dem Bild des Elfenbeinturmes, in dem sich seine WissenschaftlerInnen verschanzen, wirkungsvoll entgegen. Interdisziplinarität wird unterschiedlich theoretisiert; sie lässt sich gemäß der hier beigezogenen Analyse von Barry, Born und Wszkalnys als ein Kontinuum charakterisieren, das von Multidisziplinarität über Transdisziplinarität bis hin zur Interdisziplinarität im engeren Sinne reicht. Während ersteres ein Nebeneinander von Disziplinen meint, die am gleichen Themenkomplex arbeiten und einander punktuell zuarbeiten, adressiert Transdisziplinarität ein gesellschaftlich wahrgenommenes Problem und vermittelt bzw. kooperiert mit gesellschaftlichen Akteuren. Interdisziplinarität im engeren Sinne inkludiert eine auch methodische Zusammenarbeit, die die Grenzen zwischen den Disziplinen zumindest ansatzweise verschmelzen lässt. Diese Form der Interdisziplinarität ergänzt den methodischen und ideologischen Kanon der jeweiligen Disziplin, um das adressierte Problem einer besseren Lösung zuzuführen.

Dieser Beitrag untersucht, auf welche Weise Interdisziplinarität in der gesellschafts- und kulturwissenschaftlichen Forschung zu gestalten ist, um einen Beitrag zur gesellschaftlichen Problemlösung zu liefern. Dabei stellt er Defizite in der Vergabepraxis interdisziplinärer Verbünde insbesondere durch die DFG fest und entwickelt daraus Empfehlungen für die Fortentwicklung der Förderrichtlinien. Abschnitt 2 konkretisiert zunächst, warum Interdisziplinarität einen Mehrwert verspricht. Abschnitt 3 fragt nach den Bedingungen für das Funktionieren von Interdisziplinarität. Abschnitt 4 formuliert Empfehlungen anhand von Beispielen für die Förderung von Verbundvorhaben. Abschnitt 5 dient der Schlussbetrachtung.

Das vollständige Paper kann als PDF heruntergeladen werden.

Neue Publikation: Der Schutz materieller Kulturgüter in Lateinamerika

Maria Julia Ochoa Jiménez

Der Schutz materieller Kulturgüter in Lateinamerika: Universelles, regionales und nationales Recht

Göttinger Studien zu Cultural Property, Band 3. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen 2011, 170 Seiten, Softcover, 24,00 EUR
ISBN 978-3-941875-93-7

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage: Wie ist der Schutz von Kulturgütern in Lateinamerika rechtlich geregelt, und in welcher Weise werden indigene Kulturgüter innerhalb solcher Regelungen berücksichtigt? Die Frage besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil betrifft eine vergleichende Analyse der geltenden Regelungen über den Schutz materieller Kulturgüter Lateinamerikas. Unterstrichen wird dabei ein Aspekt des Rechtsschutzes von Kulturgütern, nämlich die Regelung des Eigentums. Der zweite Teil der Frage, der sich auf die Berücksichtigung der materiellen Kulturgüter der indigenen Völker bezieht , wird bei der Untersuchung der verschiedenen Rechtsinstrumente beachtet. Dabei geht die Arbeit von der Annahme aus, dass die indigenen Völker ein Interesse an der Kontrolle der mit ihrer Kultur verbundenen Güter haben, welches von den Rechtsnormen in der Regel nicht in Betracht gezogen wird.

Der Band kann auf den Seiten des Göttinger Universitätsverlages bestellt werden und ist zudem unter einer Creative Commons Lizenz als PDF verfügbar.

Gedruckt mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

Online Publication: Culture Archives and the State: Between Nationalism, Socialism, and the Global Market

The Center for Folklore Studies at the Ohio State University is delighted to announce the online publication of Culture Archives and the State: Between Nationalism, Socialism, and the Global Market. Proceedings of an international conference held May 3-5, 2007, at the Mershon Center for International Security Studies, The Ohio State University, Columbus, Ohio. Columbus: The OSU Knowledge Bank, 2010.

The papers address the political uses of ethnographic archives from the late nineteenth century to the present. Archives keep tabs on populations, define and discipline national identities, shape and censor public memories, but also shelter discredited alternative accounts for future recovery. Today their contents and uses are tensely negotiated between states, scholars, and citizens as folklore archives become key resources for the reconstruction of lifeworlds in transition. Case studies and reports come from China, India (Bengal), Afghanistan, Spain, Finland, Estonia, Romania, Croatia, the US, and the German-speaking lands. In a keynote address, Regina Bendix provides a general account of “property and propriety” in archival practice.

First two Issues of CP 101 Working Paper Series online

The first two issues of our CP 101: Concepts and Institutions in Cultural Property Working Paper Series (ISSN 2191-7051) are online:

No. 1/2010: Dorothy Noyes: Traditional Culture: How does it work? (PDF)
No. 2/2010: Kilian Bizer: What is a Property Right? (PDF)

The aim of the series is to provide poignant and accessible overviews of central questions related to cultural property. It intends to lay out the general conceptual and institutional frameworks that shape the stakes in current cultural property debates.